3. Februar 2017 / Praxismanagement, Qualitätsmanagement

Ärztliche Aufklärung – was es zu beachten gilt

Ärztliche Aufklärung - Der Arzt im Aufklärungsgespräch mit einem Patienten

Abbildung: Die ärztliche Aufklärung findet im Patientengespräch statt.

Unser erster Fachartikel der Rubrik Arzt & Recht beschäftigt sich mit der Aufklärungspflicht bei  medizinischen Eingriffen. Die ärztliche Aufklärung vor und über eine konkrete medizinische Maßnahme hat eine hohe praktische Relevanz und ist gesetzlich in § 630e BGB geregelt. Eine rechtmäßige Aufklärung ist die Voraussetzung für eine wirksame Einwilligung. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass ohne eine korrekte Aufklärung auch keine Einwilligung vorliegt. Wenn solche Maßnahmen dennoch erfolgen, muss der Behandelnde mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Aus diesem Grund zeigen wir nachfolgend wichtige Aspekte der Aufklärung auf, die unbedingt beachtet werden sollten.

In welchem Umfang muss eine ärztliche Aufklärung erfolgen?

Im Rahmen der Aufklärung müssen Ärzte und Psychotherapeuten über sämtliche für eine Einwilligung  wesentlichen Umstände der medizinischen Maßnahme aufklären. Dazu zählen insbesondere:

  • Art, Umfang und Durchführung,
  • zu erwartende Folgen,
  • spezifische Risiken der Maßnahme,
  • Notwendigkeit und Dringlichkeit,
  • Eignung sowie Erfolgsaussichten der Diagnose oder Therapie.

Dabei muss dem aufzuklärenden Patienten kein medizinisches Fachwissen vermittelt werden. Vielmehr steht im Vordergrund, dass dem Patienten die Schwere und Tragweite der medizinischen Maßnahme verdeutlicht wird, sodass er in die Lage versetzt wird, zu entscheiden, ob er einwilligen kann und will. Bei gleichwertigen Behandlungsmethoden, die zu wesentlich unterschiedlichen Belastungen, Risiken oder Heilungschancen führen können, ist die ärztliche Aufklärung so durchzuführen, dass auf Alternativen hingewiesen wird.

Wer muss aufgeklärt werden?

Selbstverständlich muss der Patient selbst aufgeklärt werden. Ausnahmen bestehen für einwilligungsunfähige Patienten. In diesen Fällen muss die Aufklärung gegenüber dem gesetzlichen Vertreter beziehungsweise Patientenbevollmächtigten erfolgen. Dennoch sind die wesentlichen Umstände einer geplanten medizinischen Maßnahme auch dem einwilligungsunfähigen Patienten mitzuteilen. Diese Erläuterungen müssen so erfolgen, dass sie dem Patienten entsprechend seiner Geistesreife und Auffassungsgabe verständlich gemacht werden.

Wer muss aufklären?

Aufklärungspflichtig ist in erster Linie der Behandler, also derjenige Arzt oder Psychotherapeut, der die Maßnahme durchführt. Daneben ist auch eine Aufklärung durch einen anderen Arzt oder   Psychotherapeuten statthaft, sofern dieser die für eine sachgerechte Aufklärung erforderliche Fachkenntnis besitzt. Daher ist die Aufklärung auch an einen Arzt in Weiterbildung deligierbar. Im Gegensatz dazu, darf eine Aufklärung nicht durch nicht-ärztliches Fachpersonal erfolgen. Hierbei ist keine Delegation möglich.

Eine Ausnahme gibt es jedoch: Nach einem Leitfaden der Landesärztekammer Baden-Württemberg zum Patientenrechtegesetz, kann auf eine mündliche ärztliche Aufklärung ausnahmsweise dann verzichtet werden, wenn es sich bei der Maßnahme um eine von der ständigen Impfkommission (Stiko) empfohlene Routineimpfung handelt. Hierbei kann die Aufklärung durch nicht-ärztliches Personal erfolgen. Dem Patienten muss jedoch die Möglichkeit zu einem Gespräch mit dem Arzt gegeben werden.

Wie muss aufgeklärt werden?

Grundsätzlich muss die Aufklärung im Rahmen eines mündlichen, individuellen Gesprächs zwischen Be- handler und Patient erfolgen. Dabei genügt die alleinige Aushändigung eines Aufklärungsbogens oder Merkblatts nicht. Diese dürfen nur ergänzend hinzugezogen werden. Abhängig von Art und Umfang der jeweiligen Maßnahme muss die Aufklärung so rechtzeitig erfolgen, dass der Patient seine Entscheidung über die Einwilligung wohlüberlegt treffen kann. Für schwerwiegende Maßnahmen, wie schwere operative Eingriffe, muss der Arzt den Patienten mindestens einen Tag vor der Maßnahme aufklären. In einfachen Fällen kann eine ärztliche Aufklärung auch am Tage der Maßnahme erfolgen.

Was ist bei der Dokumentation zu beachten?

Alle Aufklärungsunterlagen sollten in die Patientenakte aufgenommen werden. Diese sind für eventuelle Haftungsfälle von großer Wichtigkeit. In nicht eindeutig gelagerten Fällen, in denen der Arzt beurteilen muss, ob ein Patient einwilligungsunfähig ist oder nicht, sollten die Umstände, die dafür oder dagegen sprechen, ebenfalls in der Patientenakte dokumentiert werden.

Fortbildungsmöglichkeiten

Über Fortbildungen zum Thema Umsetzung der Patientenrechte im Alltag, informieren wir Sie auf unserer Homepage. Darüber hinaus machen wir Ihnen gerne ein individuelles Angebot für Inhouse-Schulungen und Vortragsleistungen.

von Dipl. Betriebswirt Andreas Schaupp

 

Jetzt informieren: Seminar Patientenrechte im Alltag

 

 

 

 

 

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